26. Nds. Ernährungsforum: Weiterer Forschungsbedarf zu Mikrobiom

DGE-Sektion Niedersachsen

Bild: ©Fascinadora/Bigstock.com

Der Darm spielt in unserem Leben und der Gesundheit eines jeden Menschen eine relevante Rolle, das steht mittlerweile außer Frage. Beim 26. Niedersächsischen Ernährungsforum “Mikrobiom | Ernährung | Bewegung” am 12. Oktober 2022 stand daher das Mikrobiom mit seiner Wechselwirkung zwischen Ernährung und Bewegung im Fokus. Knapp 250 interessierte Teilnehmer*innen waren bei der Online-Fachtagung dabei, die von PD Dr. Thomas Ellrott vom Institut für Ernährungspsychologie Göttingen moderiert wurde.

Das Mikrobiom ist ein sehr weites Themenfeld, in dem die Forschung in den letzten Jahren stark an Bedeutung gewonnen hat. So startete die Ernährungswissenschaftlerin Prof. em. Dr. Hannelore Daniel, München, mit ihrer Präsentation zu der Bedeutung der Darmbakterien für die Gesundheit und stellte Studien zur Untersuchung der Einflussfaktoren auf Darmbakterien vor. Dabei lautete das Fazit: Das eine gesundheitsfördernde Mikrobiom gibt es nicht. Das Mikrobiom eines jeden Menschen ist individuell und wird beeinflusst durch Genetik, Umwelt, Ernährung, Bewegung und noch weiteren Lebensstilfaktoren. Dennoch können Zusammenhänge zwischen Darmbakterien und bestimmten Erkrankungen festgestellt werden. Dabei ist jedoch noch unklar, ob die Ansiedlung spezifischer Darmbakterien Ursache oder Folge der Erkrankung ist. Demnach besteht weiterhin ein großer  Forschungsbedarf.

Im zweiten Vortrag stellte Prof. Dr. Karsten Krüger vom Institut für Sportwissenschaft der Justus-Liebig-Universität Gießen die bi-direktionalen Verbindungen von körperlicher Aktivität und dem Darmmikrobiom vor. Dabei ging er darauf ein, wie sich eine regelmäßige Aktivität, vor allem durch Ausdauersport, auf das Darmmikrobiom auswirkt. Bei regelmäßiger Bewegung steigt die Produktion von kurzkettigen Fettsäuren durch Darmbakterien, die entzündungshemmend und damit gesundheitsfördernd wirken können. Zudem stellte Prof. Dr. Krüger das Projekt in:prove vor, das in Zusammenarbeit mit Wissenschaftler*innen der Justus-Liebig-Universität, der Goethe-Universität Frankfurt und der Sporthochschule Köln durchgeführt wird. In diesem Projekt werden Spitzensportler*innen auf verschiedene Parameter untersucht, darunter auch die Zusammensetzung des Mikrobioms. Die Kenntnis der individuellen Parameter ermöglicht dann eine optimierte Trainingsplanung. Als Empfehlungen für Alltagssportler*innen nennt Krüger eine Kombination aus 3-5-mal Ausdauer- und 1-2-mal Kraftsport pro Woche. Um dies nachhaltig und langfristig einzuhalten, sollte die gewählte Sportart Spaß machen. Denn das Wichtigste ist die regelmäßige Bewegung – die Sportart an sich ist dabei nebensächlich. Auch die Abwechslung zwischen verschiedenen Sportarten kann dabei helfen, motiviert zu bleiben.

Das dritte Vortragsthema beschäftigte sich mit der Ernährungsberatung bzw. -therapie. Dazu stellte PD Dr. Miriam Stengel von der Helios Klinik Rottweil die Erkrankung Reizdarmsyndrom vor. Zunächst müssen mögliche Differentialdiagnosen abgeklärt werden, um vor allem Krebserkrankungen als Ursache der Beschwerden auszuschließen. Da sich das Reizdarmsyndrom bei jede*r Patient*in durch individuelle Beschwerden auszeichnet, richtet sich die Behandlung nach den Symptomen, die am stärksten belasten, um sie dann zu mildern. Aus diesem Grund kann keine einheitliche Standardtherapie verfolgt werden, sondern es sind sehr individuelle Maßnahmen zu ergreifen. Das Ziel dabei ist die Verbesserung der Lebensqualität und Leistungsfähigkeit, da diese bei vielen Betroffenen oft stark beeinträchtigt sind. Durch diese Beeinträchtigung kann es auch zu psychischen Belastungen kommen, weshalb sich in manchen Fällen die Kombination mit einer Psychotherapie empfiehlt.

Im letzten wissenschaftlichen Vortrag stellte Dr. Mattea Müller vom Institut für Lebensmittelwissenschaft und Humanernährung der Leibniz Universität Hannover die Ergebnisse der PerFib-Studie vor. In der Studie wird die Gabe der Ballaststoffe aus Maiskleie und aus Chicoréewurzeln hinsichtlich ihrer Wirkung auf das Bakterienwachstum der Gattungen Prevotella und Bacteroides im Darm verglichen. Eine Zunahme der hier untersuchten Bakteriengattungen kann zu einer erhöhten Produktion von kurzkettigen Fettsäuren führen und dadurch das Risiko für Erkrankungen wie Adipositas oder Bluthochdruck verringern. Die bisherigen Ergebnisse der Studie deuten darauf hin, dass die Gabe der Ballaststoffe aus der Maiskleie zu einem Anstieg der Prevotella-Konzentration und die Gabe der Chicoréewurzel-Ballaststoffe zu einem Anstieg der Bacteroides-Konzentration führen. Allgemein ist also der Verzehr von Ballaststoffen zu empfehlen, um das Wachstum von gesundheitsfördernden Darmbakterien zu unterstützen und damit das eigene Krankheitsrisiko zu reduzieren.

Fazit

Die Wechselwirkung zwischen Mikrobiom, Ernährung und Bewegung ist unbestritten. Die bisherigen Forschungsergebnisse lassen darauf schließen, dass wir mit unseren Gewohnheiten und Verhaltensweisen Einfluss auf das Mikrobiom haben. Dennoch bedarf es weiterhin Forschungen, um weitere Zusammenhänge für die Prävention oder Therapie von Erkrankungen herauszufinden.