Veranstaltungen der DGE-Sektion Niedersachsen

Die DGE-Sektion Niedersachsen, gefördert vom Niedersächsischen Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, ist im Bereich Ernährungsaufklärung und Verbraucherkommunikation für Multiplikator*innen, Organisationen, öffentliche Medien, Verbraucher*innen sowie für Bildungsträger*innen tätig. Sie führt wissenschaftliche Fachtagungen, Fortbildungen und diverse Seminare zu aktuellen Themen aus Ernährungsmedizin und Beratungspraxis durch.

Die Veranstaltungen sollen einen Beitrag zur Qualitätssicherung leisten sowie die zunehmend widersprüchlichen Aussagen rund um das Thema „Essen und Trinken“ aus gesicherter fachlicher Sicht beleuchten. Ein besonderes Merkmal ist die praxisorientierte und multidisziplinäre Ausrichtung der Veranstaltungen, die sich in der Kooperation mit diversen Partnern wie z. B. der Ärztekammer Niedersachsen (ÄKN), der Landesvereinigung für Gesundheit Niedersachsen und Akademie für Sozialmedizin (LVG&AfS) sowie des LandesSportBundes Niedersachsen (LSB) widerspiegelt.

Fachtagungen


11. Frühjahrsfachtagung

Weitere Informationen folgen.

Termin 
26. Februar 2020

Ort 
Göttingen



Nachberichte von Veranstaltungen

2019

Gesund alt werden und eine möglichst hohe Lebensqualität lange zu behalten, ist der Wunsch vieler Menschen in einer Gesellschaft, die immer älter wird. Körperliche Aktivität in jeglicher Form und eine gute Versorgung an Nährstoffen durch eine vielseitige und ausgewogene Ernährung helfen dabei, das war ein Fazit des 23. Niedersächsischen Ernährungsforums „Fit im Alter 4.0: Ernährung – Bewegung –Immunsystem“ am 6. November 2019, zu dem 130 Teilnehmer nach Hannover gekommen sind.

Nach den herzlichen Grußworten des Gastgebers Dr. Hendrik Langen, Leiter der Akademie des Sports, Carola Sandkühler als Vertreterin des Niedersächsischen Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz und Leiterin des neuen Referats Ernährung, Hauswirtschaft und Landfrauen sowie Dr. med. Wolfgang Lensing aus der Ärztekammer Niedersachsen war zunächst die Frage, ob körperliche Aktivität immunregulatorische Effekte im Alter hat.

Prof. Dr. Karsten Krüger, Institut für Sportwissenschaft der Justus-Liebig-Universität Gießen, bestätigte diese Wirkung und deren besondere Relevanz im Alter. Entzündliche Prozesse treten bei älteren Menschen vermehrt auf, gleichzeitig ist das Immunsystem weniger aktiv. Die Symptome einer dann auftretenden Immunsenesenz können durch mehr Bewegung reduziert werden. Einen anti-entzündlichen Effekt haben ebenfalls eine kalorienbilanzierte Ernährung mit guter Versorgung mit Mikro- und Makronährstoffen, Schlaf und ein guter Umgang mit Stress.

Wie ältere Menschen in Niedersachsen mehr Impulse bekommen sich zu bewegen, zeigte das Projekt „Aktiv & gesund älter werden“ des LandesSportBunds Niedersachsen e.V. in Kooperation mit der AOK Niedersachsen. Nina Panitz berichtete von regionalen Initiativen z.B. in Uelzen und ermutigte jeden Interessierten, sich mit den Sportvereinen in Verbindung zu setzen, die dabei unterstützen können. In der Pause konnten die Teilnehmer selber den Alltags-Fitness-Test (AFT) ausprobieren, mit dem die alltagsrelevante Fitness älterer Menschen geprüft werden kann. Materialien und Informationen dazu stellt der LandesSportBund auf seiner Webseite zur Verfügung.

Im Vortrag “Klinische Aspekte der Ernährung von Senioren“ von Prof. Dr. med. Rainer Wirth der Ruhr-Universität Bochum stand der Gewichtsverlust im Alter im Mittelpunkt. Eine Abnahme des Gewichts von 1,5 kg pro Jahr zeigte sich als eigenständiger Risikofaktor für eine erhöhte Mortalität, unabhängig von konsumierenden Erkrankungen. Verloren geht vor allem Muskelmasse, was gravierende Folgen im Alltag und einen Verlust an Autonomie hat. Durch Immobilität und Mangelernährung sind besonders bei Krankenhausaufenthalten mit hohen Verluste an Muskelmasse zu rechnen. Trinknahrung und proteinreiche Shakes können dem entgegenwirken. „Mangelernährung hat viele Ursachen und muss spezifisch therapiert werden“, bilanzierte Prof. Wirth.

Das Risiko für Mangelernährung zu minieren, sich wohlzufühlen und dabei genussvoll zu essen, ist das Ziel einer positiven Ernährung in der Gemeinschaftsverpflegung für ältere Menschen. Theresa Stachelscheid und Ricarda Corleis de DGE e.V. zeigten die verschiedenen Dimensionen einer bedarfsgerechten und bedürfnisorientierten Ernährung im Alter und stellten die DGE-Qualitätsstandards vor. Diese sind eine konkrete Hilfestellung für Hersteller und Anbieter von Essen auf Rädern und der Verpflegung in Stationären Einrichtungen für SeniorInnen und werden in Kürze aktualisiert veröffentlicht.

Flyer mit Tagungsprogramm
„Ein Gespräch setzt voraus, dass auch der andere recht haben könnte“, dieses Zitat von Hans-Georg Gadamer beinhaltet eine wesentliche Grundhaltung, die für einen erfolgreichen Dialog essentiell ist. Eine gelingende Kommunikation mit allen Beteiligten ist in der KiTa wiederum das Fundament dafür, das ein gemeinsames Ernährungs- und Bewegungsverständnis entwickelt und gelebt werden kann. Carola Sandkühler aus dem Niedersächsischen Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz stimmte die rund 50 Tagungsteilnehmer*innen in den schönen Räumlichkeiten der FABI Osnabrück auf eine spannende Tagung ein, die Lust auf einen aktiven, dabei kontrollierten Dialog auch in schwierigen Lagen machte. Die Sprechwissenschaftlerin Tomma Hangen zeigte sehr lebendig, dass Kommunikation auf verschiedenen Ebenen stattfindet und vielen Einflüssen unterliegt. Sich dessen bewusst zu sein, Störfaktoren auszuschalten und unbelastet in ein Gespräch zu gehen, ist die Grundlage dafür, auch schwierige Gespräche erfolgreich zu gestalten. In vielen Übungen konnten das die Teilnehmer*innen selber ausprobieren und erfahren. So angeregt, trotzten alle den hohen Temperaturen und diskutierten am Nachmittag weiter in den Foren. Themen waren dort, wie Konflikt- und Kritikgespräche geführt werden können, wie eine KiTa sich dem Thema „Zucker“ annehmen kann und wie ein Speiseplan so gestaltet werden kann, das er in der KiTa gut angenommen wird. Im nächsten Jahr feiert die KiTa-Fachtagung ihr 10-jähriges Jubiläum. Dazu laden wir alle Interessierte schon jetzt ganz herzlich ein dabei zu sein und gemeinsam die Zukunft der Veranstaltungsreihe zu gestalten! Veranstalter: • DGE-Sektion Niedersachsen, Landesvereinigung für Gesundheit und Akademie für Sozialmedizin Niedersachsen e.V. • Landesvereinigung für Milchwirtschaft e.V. • Landesvereinigung für Gesundheit und Akademie für Sozialmedizin Nds. e.V. • LandesSportBund Niedersachsen

Flyer Fachtagung Tischlein deck dich 2019 (pdf-Datei, 175 KB) Vortrag von Tomma Hangen (pdf, 1581 KB)

Bei dem diesjährigen Fachtag des niedersächsischen Kindertagespflegebüros stand die Frage im Mittelpunkt, unter welchen Rahmenbedingungen gute und gesunde Kindertagespflege stattfinden kann.

Am 25. Mai 2019 kamen in Hannover ca. 150 Tagespflegepersonen auf Einladung des niedersächsischen Tagespflegebüros im Stadtteiltreff „Lister Turm“ zusammen.

Das Programm wurde mit den Grußworten des niedersächsischen Kultusministers Grant Hendrik Tonne eröffnet. Nach einem Impulsvortrag von Dr. Eveline Gerszonowicz vom Bundesverband für Kindertagespflege hatten die Teilnehmenden am Nachmittag die Möglichkeit sich in verschiedenen Workshops mit einzelnen Aspekten der Themen Bildung und Gesundheit auseinanderzusetzen.

Die DGE-Sektion Niedersachsen unterstütze die Veranstaltung mit einem 2-stündigen Workshop zur gesunden Ernährung. 12 Tagespflegepersonen tauschten sich intensiv mit der Referentin Sonja Pöhls zu allgemeinen und speziellen Fragen der Ernährung und des Essverhaltens im Alltag mit Kindern im Kontext der Kindertagespflege aus. 

Unter dem Motto „Gesundheitsbildung für alle“ fand am 21. Mai 2019 die alljährliche Patienten-Universität in der MHH als Kooperationsveranstaltung mit der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) statt. Der Schwerpunkt lag in diesem Jahr auf  „Ernährung und Bewegung - Pflicht und Kür“. 

Flyer Veranstaltungen der Patientenuniversität (pdf-Datei, 4 MB)

Die Referenten Prof. Dr. Uwe Tegtbur (Institut für Sportmedizin der MHH) und Neele Mattausch (Olympiastützpunkt Niedersachsen) referierten über Ernährung und Bewegung im Alltag.

Prof. Tegtbur stellte die Vorzüge einer moderaten, regelmäßigen Bewegung anschaulich und prägnant dar. Er erläutere zudem Möglichkeiten der Umsetzung im Alltag und Büro. Das regelmäßige körperliche Aktivität sogar helfen kann, Medikamente einzusparen, war sicherlich für den einen oder anderen Zuhörer eine neue Erkenntnis. 

Neele Mattausch gab in ihrem Vortrag einen Überblick über die Möglichkeiten einer ausgewogenen Sporternährung im Alltag. Wer sich ausgewogen ernährt, erhält seine Leistungsfähigkeit und kann sowohl auf Nahrungsergänzungsmittel als auch auf spezielle Sportlernahrung wie Energy-Riegel verzichten. 

Neben den interessanten Vorträgen konnten die Besucher der Patienten-Universität an den Probierstation der MHH leckere Snacks probieren, verschiedene zuckerfreie Durstlöscher testen und sich an zahlreichen Ständen mit ausreichend Informationsmaterial versorgen. Die DGE Sektion Niedersachsen stellte an einem Stand ihre Arbeit vor und präsentierte die vielfältigen Informationsbroschüren – und materialien für Multiplikatoren und Verbraucher.

Flyer Veranstaltungen der Patientenuniversität (pdf-Datei, 4 MB)
Weit über 280 Interessierte nahmen am Thementag „Region Hannover – ein guter Ort für genussvolles Essen teil.
Neben zwei Vorträgen – Dr. Anne Fleck von den Ernährungs-Docs und Ernährungspsychologe Dr. Thomas Ellrott (Vortrag "Warum wir anders essen, als wir sollten" (PDF, 321KB) – konnten sich die Besucher an Ernährungs-Themenecken intensiv informieren und mit den Experten austauschen.


Schwerpunktthema der DGE-Sektion Niedersachsen war der „Ernährungstrend – glutenfrei: Sinn oder Unsinn?“ Zahlreiche Fragen zur Diagnosestellung bis hin zur Umsetzung im Alltag prägten die Fachgespräche an diesem Informationstisch.

Diese Veranstaltung bildete den Auftakt zu einer Veranstaltungsreihe rund um das Thema Ernährung. In den kommenden Wochen, können Interessierte an weiteren Maßnahmen rund um das Thema Ernährung sich intensiv informieren. Die DGE in Niedersachsen bietet dabei in Kooperation mit der Patientenuniversität Hannover der MHH eine Veranstaltung zum Thema „Ernährung und Bewegung – Pflicht oder Kür“ am 21.5.2019 in den Räumen der MHH an
Am 20.2.2019 fand in der Akademie des Sports Hannover eine Frühjahrsfachtagung zum Thema Zucker in der Diskussion statt. Die Tagung wurde gemeinsam von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE), Sektion Niedersachsen, der Akademie des Sports im LandesSportBund Niedersachsen e.V. und vom Institut für Ernährungspsychologie an der Georg-August-Universität Göttingen durchgeführt.

Das Max-Rubner-Institut hat auf Basis von Verzehrsdaten aus der Nationalen Verzehrsstudie II (NVS II) unlängst die durchschnittliche Aufnahme von Zucker in Deutschland berechnet. Danach verzehren Männer 9,8 % der täglichen Kalorien in Form von zugesetztem Zucker, Frauen 10,1 %. Addiert man den in Fruchtsäften und Nektaren enthaltenen Zucker hinzu (sog. freie Zucker), kommt man bei Männern auf 13,0 % der Kalorien, bei Frauen auf 13,9 %. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt maximal 10 % der Kalorien in Form von freien Zuckern (WHO 2015). Die Referenteninnen und Referenten der Tagung beleuchteten das Thema Zucker in der Ernährung aus vielfältigen Perspektiven.

Im ersten Vortrag erörterte Frau Prof. Dr. oec.troph. i. R. Hannelore Daniel, TU München, Mythen und Fakten zum Thema Zucker. Sie berichtete, dass Zucker derzeit wie keine andere Zutat bzw. kein anderer Inhaltsstoff zum Sinnbild von Gesundheitsgefahr geworden ist. Die Studienlage erlaubt aber keine derartige pauschale Bewertung, da nahezu alle wissenschaftlichen Studien nur den Energiegehalt als das Kernproblem beim Zuckerkonsum identifiziert haben. Zwischen Tiermodellen mit extremen Zucker-Dosierungen und der realen Verzehrssituation beim Menschen gibt es zudem erhebliche Unterschiede, die die Übertragbarkeit der Ergebnisse einschränken.

Nachfolgend ging Neele Mattausch, Ökotrophologin am Olympiastützpunkt (OSP) Niedersachsen, auf das Thema Zucker in Freizeit-, Breiten- und Leistungssport ein. Für die tägliche Ernährung im Freizeit- und Breitensport gelten grundsätzlich die Empfehlungen der DGE bzw. des American College of Sports Medicine. Im Leistungssport gelten ggf. sportartspezifische Vorgaben. Eine zusätzliche Energiezufuhr während der sportlichen Belastung ist erst ab einer Belastungsdauer >1,5 h sinnvoll. Dafür kommen je nach Belastung verschiedene Zuckerquellen in Frage, da kurzkettige Kohlenhydrate die Beibehaltung eines hohen Leistungsniveaus ermöglichen. Für Energieriegel im Sport wird ein Verhältnis Kohlenhydrate:Fett von maximal 5:1 empfohlen. Bis zu 50 % der Kohlenhydrate in Riegeln können Zuckerarten sein.

Die Frage „Macht Zucker süchtig?“ wurde im dritten Beitrag von Herrn Prof. Dr. med. Johannes Hebebrand, Universität Duisburg-Essen, diskutiert. Es ist unstrittig, dass das zentrale Belohnungssystem sowohl beim Essen wie auch beim Substanzkonsum beteiligt ist. Zwischen pathologischem Substanzkonsum und Essen gibt es allerdings eine Reihe von Unterschieden. So ist beim Essen gerade kein Verlangen nach Monosubstanzen wie Zucker und Fett zu beobachten (obwohl im Handel frei verfügbar), sondern nach komplex zusammengesetzten Lebensmitteln mit den verschiedensten Inhaltsstoffen. Es gibt daher keine harte Evidenz für eine substanzgebundene Sucht analog der aktuellen DSM-Diagnosekriterien. Die vielfach verwendete Forschungsdiagnose „Food addiction“ (gemessen mit dem Fragebogen Yale Food Addiction Scale 2.0) ist zudem nicht spezifisch für Adipositas. Nur ein geringer Teil der von Adipositas Betroffenen erfüllt die Diagnosekriterien, dafür aber sehr viele von Essstörungen Betroffene. Herr Hebebrand schlägt als Mitautor der Neurofast-Stellungnahme vor, statt von „Food Addiction“ (Substanz steht im Vordergrund) besser von „Eating Addiction“ (pathologisches Verhalten steht im Vordergrund) zu sprechen. Andere Autoren diskutieren auch, die Diagnosekriterien im Sinne einer „Processed Food Addiction“ zu verändern.

Per Videokonferenz stellte Herr Prof. Dr. med. dent. Christian Splieth, Universität Greifswald, evidenzbasierte Strategien zur Prävention von Karies vor. Der vergleichsweise hohe Anteil von Kohlenhydraten und Zucker in der heutigen Nahrung stellt zwar den wesentlichen nutritiven Auslösefaktor für Karies dar. Dabei ist die Frequenz der Aufnahme für das Risiko entscheidender als die Dosis. Betrachtet man allerdings die Datenlage zur Kariesprävention, dann ist die Wirksamkeit von Maßnahmen zur Ernährungslenkung verglichen mit Maßnahmen zur Mundhygiene unter Anwendung von Flouriden unzureichend. Die tägliche Anwendung fluoridhaltiger Zahncreme mit Mundhygieneinstruktion ist durch die Kombination von Plaqueentfernung mit lokaler Flouridapplikation die mit großem Abstand wirksamste Präventionsstrategie. Durch Umsetzung dieser Strategie konnte die Karieshäufigkeit in Deutschland bei 12jährigen Kindern 2016 gegenüber 1994/95 um 82 % gesenkt werden. Die Aufnahme von Kohlenhydraten und Zucker war in diesem Zeitraum relativ konstant. Milchzahnkaries soll zukünftig durch erhöhten Flouridgehalt in Kinderzahncreme noch besser vorgebeugt werden.

Frau Prof. Dr. Anette Buyken von der Universität Paderborn stellte im Schlussvortrag die Ende 2018 veröffentlichte „Quantitative Empfehlung zur Zuckerzufuhr in Deutschland – ein Konsensuspapier der DGE, DAG und DDG“ vor. In dem Papier schließen sich die Deutsche Adipositas-Gesellschaft e.V. (DAG), die Deutsche Diabetes Gesellschaft e.V. (DDG) und die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE) der Empfehlung der World Health Organization (WHO) aus dem Jahr 2015 an, und sprechen sich für eine maximale Zufuhr freier Zucker von weniger als 10 % der Gesamtenergiezufuhr aus. Freie Zucker umfassen Mono- und Disaccharide, die Hersteller oder Verbraucher Lebensmitteln zusetzen, sowie in Honig, Sirupen, Fruchtsaftkonzentraten und Fruchtsäften natürlich vorkommende Zucker. Im Konsensuspapier werden verschiedene verhältnis- und verhaltenspräventive Maßnahmen zur Reduktion der Zuckeraufnahme diskutiert (DOI: 10.4455/eu.2019.006).

Thomas Ellrott, Leiter der DGE Sektion Niedersachsen und des Instituts für Ernährungspsychologie an der Georg-August-Universität Göttingen

Bericht in der Ernährungs-Umschau als PDF (511 KB)

2018

Bevor ernährungsbildende Maßnahmen in der Kita an Eltern herangetragen werden, ist es wesentlich, dass die beteiligten Menschen vorher eine Beziehung zueinander aufgebaut haben. Das ist ein Ergebnis der niedersachsenweiten KiTa-Fachtagung, die dieses Jahr interkulturelle Kompetenzen im Fokus hatte. Sowohl Verständnis füreinander und das Wissen, wie wir von unterschiedlichen Kulturen geprägt werden, sind für den Aufbau einer Beziehung entscheidend. In zwei mitreißenden Vorträgen gaben die beiden Referentinnen dazu viele konkrete Beispiele, die am Nachmittag in 6 abwechslungsreichen Foren in den Bereichen Ernährung und Bewegung mit den 124 Tagungsteilnehmern diskutiert wurden.

Dr. Jörg Baumgarte aus dem Niedersächsischen Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz eröffnete die Tagung mit den treffenden Grußworten, dass interkulturelle Begegnungen alltäglich geworden sind und in der Ernährungsbildung positiv genutzt werden können. Das zeigt auch das Projekt „Zu Gast in anderen Küchen“ der DGE-Sektion Niedersachsen, das vom Ministerium gefördert wurde.

Als Gastgeber der Tagung in der Akademie des Sports betonte Reinhard Rawe, Vorstandsvorsitzender des LandesSportBundes Niedersachsen, dass wir weniger einen Wissensnotstand haben, sondern vielmehr ins Handeln kommen müssen. So engagiert sich der LSB für mehr Bewegung in Kindergärten mit dem Projekt „Bewegter Kindergarten in Niedersachsen“.

Auf sehr lebendige Weise erläuterte Gülcan Yoksulabacan-Üstüay, Diversity-Trainerin aus Bremen, dass traumatische Fluchterfahrungen eine Diskussion über den gewünschten Inhalt von Brotdosen nahezu unmöglich machen. Für die Eltern steht im Vordergrund, ihre Kinder für das entstandene Leid entschädigen und ihnen möglichst viel Gutes zu tun. Hier bedarf es Empathie und Fingerspitzengefühl, die Eltern mit den ernährungsrelevanten Informationen zu erreichen. Die pädagogischen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sollten sich über die individuellen Beweggründe der Eltern für besondere Entscheidungen oder Verhaltensweisen informieren, um die Absicht des Handelns einordnen zu können. Gut in Plastik verpackte Lebensmittel werden beispielsweise als gesund empfunden, weil sie so auf der Flucht hygienisch einwandfrei blieben, ebenso verhält es sich mit Getränken in Dosen. Augenkontakt und Händeschütteln werden anders interpretiert, als wir es gewohnt sind und eine weibliche Führungskraft nicht immer sofort als Entscheidungsträger anerkannt. Irritationen lösen oftmals auch die Auswahl an Lebensmitteln aus, die in die Kita mitgegeben werden. Alle Menschen essen, es gibt aber kulturelle Unterschiede, was wir wie essen und welche Geschmackspräferenzen wir haben. Das Gewohnte wird als sicher und gut empfunden, alles Neue stößt zunächst auf Ablehnung und löst Stress aus. Die zugewanderten Familien geben ihren Kindern gerne eine volle Brotdose mit, damit sie deren Inhalt mit den anderen Kindern teilen können. Dementsprechend bedienen sich die Kinder selbstverständlich an anderen Brotdosen, was in unserer Kultur aber als übergriffig und unangemessen empfunden werden kann.

Karsten Täger, LandesSportBund, brachte die Teilnehmer mit einer grandiosen Bewegungspause in den direkten Kontakt zueinander und sorgte für einige koordinative Herausforderungen.

Wie die kulturelle Prägung in den Herkunftsfamilien zukünftige Handlungen beeinflusst, griff Prof. Dr. Dörte Detert von der Hochschule Hannover auf. Schon immer existieren in Deutschland verschiedene Kulturen neben- und miteinander, die sich aufgrund verschiedener ökonomischer und familiärer Ausgangssituationen sowie dem Umfang formaler Bildung entwickelt haben (nach Heide Keller). Daher gibt es ganz unterschiedliche Bildungs- und Sozialisierungsziele, die Eltern für ihre Kinder haben und kein universelles kulturelles Modell. Die individuellen Verhaltensstrategien in der Familie können sich dabei stark unterscheiden zu dem, was in der Kita umgesetzt wird, was zu Konflikten führen kann. Am Beispiel Sport verdeutlichte sie, wie entscheidend es ist, was in den Familien vorgelebt wird: Ein Kind aus einer Sportlerfamilie wird sich ebenfalls stark dem Sport verbunden führen und gerne aktiv sein. „Die eigene Haltung zu Ernährung und Bewegung spielt in der Erziehung eine wesentliche Rolle", betonte Dörte Detert. Beeindruckt habe sie das neu gelernte Wort „Ambiguitätstoleranz“: Widersprüchlichkeiten, wie sie durch kulturelle Unterschiede entstehen können, können erkannt, akzeptiert und positiv empfunden werden.

Am Nachmittag waren die Teilnehmer in 6 Foren aktiv und diskutierten Wege, wie die gewonnenen Erkenntnisse in die eigene Arbeit und den eigenen Wirkungskreis zu integrieren.

In den Foren 1 und 2 der DGE-Sektion Niedersachsen wurden Ansätze für eine kultursensible Ernährungsbildung ebenso wie Speiseplanung erarbeitet. Einzelne Methoden aus der kultursensiblen Ernährungsbildung wurden ausprobiert, Chancen und Grenzen im KiTa-Alltag lebhaft diskutiert. Gemeinsames Ergebnis beider Foren war, dass es viele Gemeinsamkeiten im Querschnitt der verschiedenen Kulturen gibt und Unterschiede bereichernd sind, wenn die eigene kulturelle Identität im Kern nicht infrage gestellt wird. Das war auch das Ergebnis des Projekts „Zu Gast in anderen Küchen“, dessen Kurzfilm gezeigt wurde (Informationen zum Projekt und Download des Films unter: www.zugastinanderenkuechen.de).

Wie Sprachanlässe bewegt gestaltet werden können, zeigte das Forum 3 der Niedersächsischen Kinderturnstiftung. Anregungen zur sprachfördernden Bewegungsspielen für Kinder zwischen 3 und 6 Jahren wurden vorgestellt und ausprobiert.

Im Forum 4 stellte Dr. Bettina Arasin Übungen vor, in denen Bewegung, Aufmerksamkeit und Impulssteuerung in gleichem Maß gelernt werden können. Das Programm ist für die Vorschularbeit konzipiert und besteht aus 12 aufeinander aufbauenden Einheiten.

Das Minisportabzeichen mit Hoppel und Bürste war im Forum 5 das Thema: Auf die Teilnehmer warteten viele Abenteuer und Bewegungshindernisse, die es auf dem Weg zum Geburtstag von Frau Eule zu überwinden galt. „Kommt, wir erkunden die Milch!": Mit dieser Aufforderung motivierten die Landesvereinigung für Milchwirtschaft ihre Teilnehmer des Forums 6, Milch unter interkulturellen Aspekten zu erleben. Dazu gehörte die gemeinsame Zubereitung internationaler Milch-Gerichte, das von den Teilnehmer mit großer Zustimmung aufgenommen wurde.

Flyer des 8. Tischlein deck dich
Kein Genuss ist vorübergehend; denn der Eindruck, den er zurücklässt, ist bleibend (Johann Wolfgang Goethe)

Genuss und Gesundheit bilden eine wichtige Synergie und tragen im Einklang zur Lebensfreude bei, so lautet das Ergebnis der diesjährigen Frühjahrstagung am 21. Februar der DGE-Sektion Niedersachsen und des Instituts für Ernährungspsychologie der Georg-August-Universität Göttingen in Kooperation mit der Akademie des Sports im LandesSportBund Niedersachsen (LSB).

Dazu referierten Experten, wie sich das Verständnis von Genuss mit der Zeit gewandelt hat, wie unser Gehirn aus einer Sinnesempfindung Genuss interpretiert und wie Ernährung und Bewegung zu Genuss und Lebensfreude beitragen. Insgesamt zeichnete sich die Fachtagung durch hervorragende Referenten und eine anregende Atmosphäre aus.

Unter Genuss versteht die niedersächsische Ministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz Barbara Otte-Kinast ausgewählte Frische, Sinnesfreude und Leckerbissen. Für die Ministerin ist die Qualität von Lebensmitteln ein elementarer Bestandteil der Gesundheit, wobei auch die Wertschätzung von Lebensmitteln und ihren Erzeugern eine Rolle spielt. In ihrer Eröffnungsrede betont Frau Otte-Kinast die Wichtigkeit von Verbraucherschutz, Vernetzungen und Kooperationen, die weiterhin verstärkt werden sollten.

Für Reinhard Rawe, Vorstandsvorsitzender des LandesSportBundes Niedersachsen, ist Sport eine Lebenskunst. In Kombination mit anderen Faktoren wie eine gesunde Ernährungführt er zu Lebenszufriedenheit. Herr Raw hebt in seinem Grußwort hervor, dass Gesundheitmit Sport und Ernährung verknüpft ist und appelliert an den Teilnehmern über den Tellerrand hinauszuschauen.

In dem ersten Vortrag der Fachtagung stellte der Kulturanthropologe Prof. Dr. Gunther Hirschfelder, Fakultät für Sprach-, Literatur- und Kulturwissenschaften der Universität Regenburg, den Zusammenhang zwischen Genuss und Ernährung im Wandel der Zeit dar. Genuss ist eine positive Sinnesempfindung. Essen als Genussempfindung reicht weit in unserer menschlichen Geschichte zurück, dessen Bedeutung sich kulturell bedingt immer wieder veränderte. Man kann davon ausgehen, dass bereits Primaten vergorene Lebensmittel aufsammelten, um einen Rausch als eine Art von Genuss zu erfahren, erläutert Hirschfelder. Während im späten Mittelalter hochkalorisches Essen als gesund und genussvoll galt, ist daran in unserem digitalen, globalen und lebensstilorientierten Zeitalter nicht mehr zu denken. Beim Essen steht Genuss nicht mehr im Vordergrund, sondern wird von kulturellen Veränderungen überlagert. Beispielsweise bestimmen neue Ideologisierungen (Vegan vs. Fleischesser), was gegessen wird. Einzelne Inhaltstoffe können als gefährlich und ungesund empfunden werden oder Essen wird mehr als Mittel zum Körperstyling in der heutigen Leistungsgesellschaft gesehen. Der Begriff Gesundheit wird von der WHO 1948 mehrdimensional betrachtet und definiert als „ein Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlergehens und nicht nur das Fehlen von Krankheit oder Gebrechen". Nach Hirschfelder sollte auch Genuss nicht isoliert betrachtet werden. Für die Mehrheit ist Genuss nicht vom Sozialen trennbar und braucht weitere Faktoren wie Atmosphäre und Bewegung.

Prof. Dr. Wolfsfang Meyerhoff, Center for Integrative Physiology and Molecular Medicine, Saarland University Homeburg/Saar, demonstrierte in seinem Vortrag, wie der sogenannte Flavour (engl. Geschmack) von Essen in unserem Gehirn als Sinneswahrnehmung entsteht und warum Geschmäcker unterschiedlich sind. Die fünf bekannten Geschmacksrichtungen (salzig, sauer, süß, bitter und umami) werden wahrgenommen, nachdem Geschmacksrezeptoren chemische Strukturen in Form von Aktionspotential-Mustern entschlüsselt haben. Ob das Essen für uns als genussvoll empfunden wird, ist abhängig von unseren Erfahrungen, aber auch unseren Erwartungen. Durch die Muttermilch sind wir bereits als Säugling an den Geschmack „süß“ konditioniert. Durch unser Geschmackserkennungs-gedächtnis und das Erlernen von Vorlieben bzw. Abneigungenverändert sich unser Geschmacksempfinden mit dem Alter. Es gilt: Lebensmittel die satt machen und keine Beschwerden hervorrufen sind sicher und attraktiv, so dass der Verzehr zunimmt. Die Angst vor Neuem, die sogenannte Neophobie, ist angeboren. Daher solltenbei Kinder immer wieder kleine Mengen eines neuen Lebensmittels mit bekannten oder kalorienreichen Lebensmittel kombiniert werden, um eine positive Assoziation hervorzurufen. Genuss kann durch die gewonnene Lebensmittelvielfalt gesteigert werden.

Die Frage, ob sich die Deutschen als selbstdefinierte Genießer sehen, beantwortete Carolin Hauck M.Sc., Institut für Ernährungsphysiologie an der Georg-August-Universität Göttingen. Sie stellte die Ergebnisse einer repräsentativen Konsumentenstudie vor, bei der es um den Zusammenhang von Ernährung, Genuss und Gesundheit ging. Die Studie wurde kürzlich von dem Institut für Ernährungspsychologie gemeinsam mit lieferando.de durchgeführt. Demnach bezeichnen sich ca. 80 % der Deutschen als Genießer. Laut Studie haben Genießer ein höheres Wohlbefinden und eine höhere Lebenszufriedenheit. Ein schönesEssen in den eigenen vier Wänden wird im Alltag als Genuss empfunden. Für ein genussvolles Essen ist den Konsumenten vor allem die Qualität des Essens und die Essenssituation wichtig. Hier wurden „lecker, Geschmack, Genuss, Geruch“ und „Zeit, Ruhe, Entspannung“ genannt. Zwischen Übergewichtigen und Normalgewichtigen wurden keine signifikanten Unterschiede in der Genussfähigkeit gefunden.

Dr. Arne Göring, Stellvertretender Leiter der Zentralen Einrichtung Hochschulsport der Georg-August-Universität Göttingen, rundete die Fachtagung mit seiner lebhaften Präsentation ab. Göring eröffnete seinen Vortrag mit einem Bewegungsspiel. Es verdeutlichte den Teilnehmern innerhalb kurzer Zeit, dass selbst einfache Bewegungen, wie das blinde Einfangen des Fingers vom Nachbarn oder eine Massage, zur Lebensfreude beitragen können. Sport wird in erster Linie nicht mit Genuss assoziiert, sondern eher mit dem Gegenteil – Widerstand, Qual und die Überwindung des eigenen Schweinehundes.Gängige Bewegungsempfehlungen richten sich nach Parametern, wie Dauer, Intensität und Häufigkeit. Dabei werden wichtige psychosoziale Parameter wie die Einbindung in eine Gruppe vernachlässigt. Gerade die Kombination aus psychischen, physischen und sozialen Befinden (z. B. sich ausgeglichen oder in seinem Körper sicher fühlen) vereint Bewegung mit Wohlbefinden und Lebensfreude. Insbesondere sportliche Aktivitäten, die sozial eingebettet sind und in der Natur stattfinden, werden als genussvolle Aktivität wahrgenommen. Auch Dr. Arne Göring ist der Meinung, dass die Kombination von Ernährung und Bewegung bzw.Sport die Gesundheit nachhaltig steigern kann und so zur Lebensfreude einen Beitrag leistet.Er beendete seinen Vortrag mit einem passenden Zitat von Friedrich Schiller: Strebe nach Ruhe, aber durch das Gleichgewicht, nicht durch den Stillstand deiner Tätigkeit.

Die Frühjahrsfachtagung regte dazu an, Genuss zu überdenken und neu zu kombinieren. Genuss ist gerade in unserer schnelllebigen Gesellschaft entscheidend für die Lebensfreude und sollte im Alltag seinen Platz finden. Dabei wird Genuss von vielen Faktoren mitbestimmt. Zum Genießen braucht es beispielsweise Zeit und individuelle Erfahrungen: Für den Einen ist Genuss ein schönes Essen mit der Familie in entspannter Atmosphäre, für den Anderen ein langer Spaziergang in der Natur. Eine ausgewogene, genussvolle Ernährung und viel Bewegung kann nachhaltig die Gesundheit steigern - und damit auch das Wohlbefinden sowie die Lebensfreude.

Flyer der Frühjahrsfachtagung 2018

Veranstaltungs-Archiv

2019

Gesunde Ernährung für alle? - Chancen und Perspektiven in der Region Hannover

Gesunde Ernährung gilt als wichtiger Pfeiler für Gesundheit und Wohlbefinden des Menschen. Diese in den Alltag zu integrieren, setzt jedoch ökonomische sowie Bildungsressourcen voraus.

Flyer Suppenküche im Schlaraffenland (pdf-Datei, 394 KB)

2018


Ansprechpartnerinnen und Auskünfte:

Dörthe Hennemann 
E-Mail: hennemann@dge-niedersachsen.de

Nicole Eckelmann
E-Mail: eckelmann@dge-niedersachsen.de

Sonja Pöhls
E-Mail: poehls@dge-niedersachsen.de