Veranstaltungen der DGE-Sektion Niedersachsen

Die DGE-Sektion Niedersachsen, gefördert vom Niedersächsischen Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, ist im Bereich Ernährungsaufklärung und Verbraucherkommunikation für Multiplikator*innen, Organisationen, öffentliche Medien, Verbraucher*innen sowie für Bildungsträger*innen tätig. Sie führt wissenschaftliche Fachtagungen, Fortbildungen und diverse Seminare zu aktuellen Themen aus Ernährungsmedizin und Beratungspraxis durch.

Die Veranstaltungen sollen einen Beitrag zur Qualitätssicherung leisten sowie die zunehmend widersprüchlichen Aussagen rund um das Thema „Essen und Trinken“ aus gesicherter fachlicher Sicht beleuchten. Ein besonderes Merkmal ist die praxisorientierte und multidisziplinäre Ausrichtung der Veranstaltungen, die sich in der Kooperation mit diversen Partnern wie z. B. der Ärztekammer Niedersachsen (ÄKN), der Landesvereinigung für Gesundheit Niedersachsen und Akademie für Sozialmedizin (LVG&AfS) sowie des LandesSportBundes Niedersachsen (LSB) widerspiegelt.

Fachtagungen


Suppenküche im Schlaraffenland

Gesunde Ernährung für alle? – Chancen und Perspektiven in der Region Hannover

Gesunde Ernährung gilt als wichtiger Pfeiler für Gesundheit und Wohlbefinden des Menschen. Diese in den Alltag zu integrieren, setzt jedoch ökonomische sowie Bildungsressourcen voraus.

Die Wechselwirkungen zwischen sozialer Lage und Gesundheit werden bereits seit geraumer Zeit diskutiert. Im Kontext von Ernährung stehen sie in reichen Ländern primär als Folge einer übermäßigen Ernährung im Vordergrund, die im Hinblick auf Übergewicht und Adipositas als gesundheitspolitische Herausforderung diskutiert wird.

Die Tagungen „Suppenküchen im Schlaraffenland“ der Jahre 2000 und 2013 der Koordinierungsstelle Gesundheitliche Chancengleichheit Niedersachsen in Kooperation mit der Ärztekammer Niedersachsen und der Deutschen Gesellschaft für Ernährung Sektion Niedersachsen richteten ihren Fokus auf das in der öffentlichen Debatte vielfach wenig wahrgenommene Phänomen der Mangelernährung.

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Region Hannover – ein guter Ort für genussvolles Essen“ des Gesundheitsplenums für die Region Hannover soll eine aktuelle Bestandsaufnahme zu den Herausforderungen und Bewältigungsansätzen in der Region Hannover vorgenommen werden.

Neben materieller Ernährungsarmut gilt es, den Blick auf soziale Ernährungsarmut zu richten und die Frage zu stellen, wie sich eingeschränkte finanzielle Möglichkeiten auf soziale Aspekte von Essen, Teilhabe, Zugehörigkeit, Kommunikation und Geselligkeit auswirken. Beleuchtet werden dabei insbesondere Chancen und Barrieren in der Region Hannover. Daran schließt die bereits auf den Vorgänger-Tagungen aufgeworfene Frage an, welche weiteren Maßnahmen sich daraus für die Praxis der Gesundheitsförderung und Prävention in ganz unterschied-lichen Lebenslagen ergeben.

Neben der Darstellung und Diskussion dieser Schwerpunkte werden im Rahmen der Veranstaltung auch Lösungsansätze und unterschiedliche regionale Projektbeispiele vorgestellt, um materieller und sozialer Ernährungsarmut entgegenzuwirken. Die Veranstaltung richtet sich an Fachkräfte aus Gesundheitswesen, Bildung, Jugendhilfe, Soziales und Politik.

Termin
Mittwoch, 15. Mai 2019, 14:00 Uhr-18:00 Uhr

Ort
Freizeitheim Vahrenwald, Hannover

Flyer Suppenküche im Schlaraffenland (pdf-Datei, 394 KB)


Patientenuniversität der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH)

Ernährung und Bewegung – Pflicht und Kür
Braucht ein Sportler*in eine andere Ernährung? Diese und andere Themen werden in zwei Vorträgen und verschiedenen Lernstationen beleuchtet.

Die Veranstaltung "Ernährung und Bewegung - Pflicht und Kür" beginnt mit einem Expertenvortrag von Prof. Dr. Uwe Tegtbur (Institut für Sportmedizin, MHH) und anschließend Neele Mattausch (Olympiastützpunkt Niedersachsen) mit anschließender Diskussion.

Nach jedem Vortrag sind passende Lernstationen aufgebaut. Hier können Sie sich mit den Experten austauschen, Fragen stellen, selbst etwas ausprobieren und Ihr Wissen vertiefen. Die DGE-Sektion NIedersachsen betreut eine dieser Lernstationen.

Die Veranstaltung ist eine Kooperation der DGE-Sektion Niedersachsen und der MHH.

Termin
21. Mai 2019, 18:00-20:30 Uhr

Ort
MHH Hannover, Carl-Neuberg-Straße 1, 30625 Hannover

Flyer Veranstaltungen der Patientenuniversität (pdf-Datei, 4 MB)



9. Fachtagung für Kinderernährung: Tischlein deck dich 

Kommunikation über Essen und Bewegung in der KiTa
Eine gelingende Kommunikation in der KiTa mit allen Beteiligten ist die Grundlage für die Entwicklung eines gemeinsamen Ernährungs- und Bewegungsverständnisses und somit der erfolgreichen Umsetzung eines ganzheitlichen, gesundheitsfördernden Ansatzes. Dabei geht es nicht nur darum, gesunde Mahlzeiten und Bewegungsangebote vorzuhalten, sondern vielmehr alle Beteiligten langfristig für diese Thematik zu gewinnen, im Dialog zu bleiben und gemeinsam zu agieren.

Warum verstehen mich manche Eltern nicht? Warum holt man aus einem Gespräch nicht immer das raus, was man sich vorher vorgestellt und gewünscht hat? Kann man das Gespräch so führen, dass es anschließend zu einem gemeinsamen Handeln führt?

Diese und ähnliche Fragen werden auf der Fachtagung erörtert, diskutiert und Lösungsvarianten gemeinsam erarbeitet. Ein lebendiger, interaktiver Vortrag wird ergänzt durch motivierende Foren zu Themen wie Speiseplangestaltung, Süßigkeiten-Konsum, Frühstücksboxen, Bewegungsangebote und Kritikgespräche.

Die Tagung richtet sich an:
Erzieherinnen und Erzieher, Multiplikatorinnen und Multiplikatoren aus den Bereichen Pädagogik, Ernährung, Sport und Gesundheit sowie an Elternvertreterinnen und Elternvertreter.

Tagungsgebühr
55 € inkl. Tagungsmappe, Imbiss, Pausengetränke

Termin
25. Juni 2019, 10:00-16:00 Uhr

Ort
FABI, Osnabrück

Flyer Fachtagung Tischlein deck dich 2019 (pdf-Datei, 175 KB)


23. Niedersächsisches Ernährungsforum 2019

Ernährung und Bewegung in der zweiten Lebenshälfte

Das Tagungsprogramm wird gerade entwickelt und in Kürze hier veröffentlicht.

Termin 
6. November 2019, 14:00-18:00 Uhr

Ort 
Akademie des Sports, Hannover


Schulverpflegung in Bewegung

Termin 
Herbst 2019, ganztags

Ort 
Niedersachsen

Hinweis 
DGE-Sektion Niedersachsen e. V., in Kooperation u.a. mit der Vernetzungsstelle Schulverpflegung


Nachberichte von Veranstaltungen

Am 20.2.2019 fand in der Akademie des Sports Hannover eine Frühjahrsfachtagung zum Thema Zucker in der Diskussion statt. Die Tagung wurde gemeinsam von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE), Sektion Niedersachsen, der Akademie des Sports im LandesSportBund Niedersachsen e.V. und vom Institut für Ernährungspsychologie an der Georg-August-Universität Göttingen durchgeführt.

Das Max-Rubner-Institut hat auf Basis von Verzehrsdaten aus der Nationalen Verzehrsstudie II (NVS II) unlängst die durchschnittliche Aufnahme von Zucker in Deutschland berechnet. Danach verzehren Männer 9,8 % der täglichen Kalorien in Form von zugesetztem Zucker, Frauen 10,1 %. Addiert man den in Fruchtsäften und Nektaren enthaltenen Zucker hinzu (sog. freie Zucker), kommt man bei Männern auf 13,0 % der Kalorien, bei Frauen auf 13,9 %. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt maximal 10 % der Kalorien in Form von freien Zuckern (WHO 2015). Die Referenteninnen und Referenten der Tagung beleuchteten das Thema Zucker in der Ernährung aus vielfältigen Perspektiven.

Im ersten Vortrag erörterte Frau Prof. Dr. oec.troph. i. R. Hannelore Daniel, TU München, Mythen und Fakten zum Thema Zucker. Sie berichtete, dass Zucker derzeit wie keine andere Zutat bzw. kein anderer Inhaltsstoff zum Sinnbild von Gesundheitsgefahr geworden ist. Die Studienlage erlaubt aber keine derartige pauschale Bewertung, da nahezu alle wissenschaftlichen Studien nur den Energiegehalt als das Kernproblem beim Zuckerkonsum identifiziert haben. Zwischen Tiermodellen mit extremen Zucker-Dosierungen und der realen Verzehrssituation beim Menschen gibt es zudem erhebliche Unterschiede, die die Übertragbarkeit der Ergebnisse einschränken.

Nachfolgend ging Neele Mattausch, Ökotrophologin am Olympiastützpunkt (OSP) Niedersachsen, auf das Thema Zucker in Freizeit-, Breiten- und Leistungssport ein. Für die tägliche Ernährung im Freizeit- und Breitensport gelten grundsätzlich die Empfehlungen der DGE bzw. des American College of Sports Medicine. Im Leistungssport gelten ggf. sportartspezifische Vorgaben. Eine zusätzliche Energiezufuhr während der sportlichen Belastung ist erst ab einer Belastungsdauer >1,5 h sinnvoll. Dafür kommen je nach Belastung verschiedene Zuckerquellen in Frage, da kurzkettige Kohlenhydrate die Beibehaltung eines hohen Leistungsniveaus ermöglichen. Für Energieriegel im Sport wird ein Verhältnis Kohlenhydrate:Fett von maximal 5:1 empfohlen. Bis zu 50 % der Kohlenhydrate in Riegeln können Zuckerarten sein.

Die Frage „Macht Zucker süchtig?“ wurde im dritten Beitrag von Herrn Prof. Dr. med. Johannes Hebebrand, Universität Duisburg-Essen, diskutiert. Es ist unstrittig, dass das zentrale Belohnungssystem sowohl beim Essen wie auch beim Substanzkonsum beteiligt ist. Zwischen pathologischem Substanzkonsum und Essen gibt es allerdings eine Reihe von Unterschieden. So ist beim Essen gerade kein Verlangen nach Monosubstanzen wie Zucker und Fett zu beobachten (obwohl im Handel frei verfügbar), sondern nach komplex zusammengesetzten Lebensmitteln mit den verschiedensten Inhaltsstoffen. Es gibt daher keine harte Evidenz für eine substanzgebundene Sucht analog der aktuellen DSM-Diagnosekriterien. Die vielfach verwendete Forschungsdiagnose „Food addiction“ (gemessen mit dem Fragebogen Yale Food Addiction Scale 2.0) ist zudem nicht spezifisch für Adipositas. Nur ein geringer Teil der von Adipositas Betroffenen erfüllt die Diagnosekriterien, dafür aber sehr viele von Essstörungen Betroffene. Herr Hebebrand schlägt als Mitautor der Neurofast-Stellungnahme vor, statt von „Food Addiction“ (Substanz steht im Vordergrund) besser von „Eating Addiction“ (pathologisches Verhalten steht im Vordergrund) zu sprechen. Andere Autoren diskutieren auch, die Diagnosekriterien im Sinne einer „Processed Food Addiction“ zu verändern.

Per Videokonferenz stellte Herr Prof. Dr. med. dent. Christian Splieth, Universität Greifswald, evidenzbasierte Strategien zur Prävention von Karies vor. Der vergleichsweise hohe Anteil von Kohlenhydraten und Zucker in der heutigen Nahrung stellt zwar den wesentlichen nutritiven Auslösefaktor für Karies dar. Dabei ist die Frequenz der Aufnahme für das Risiko entscheidender als die Dosis. Betrachtet man allerdings die Datenlage zur Kariesprävention, dann ist die Wirksamkeit von Maßnahmen zur Ernährungslenkung verglichen mit Maßnahmen zur Mundhygiene unter Anwendung von Flouriden unzureichend. Die tägliche Anwendung fluoridhaltiger Zahncreme mit Mundhygieneinstruktion ist durch die Kombination von Plaqueentfernung mit lokaler Flouridapplikation die mit großem Abstand wirksamste Präventionsstrategie. Durch Umsetzung dieser Strategie konnte die Karieshäufigkeit in Deutschland bei 12jährigen Kindern 2016 gegenüber 1994/95 um 82 % gesenkt werden. Die Aufnahme von Kohlenhydraten und Zucker war in diesem Zeitraum relativ konstant. Milchzahnkaries soll zukünftig durch erhöhten Flouridgehalt in Kinderzahncreme noch besser vorgebeugt werden.

Frau Prof. Dr. Anette Buyken von der Universität Paderborn stellte im Schlussvortrag die Ende 2018 veröffentlichte „Quantitative Empfehlung zur Zuckerzufuhr in Deutschland – ein Konsensuspapier der DGE, DAG und DDG“ vor. In dem Papier schließen sich die Deutsche Adipositas-Gesellschaft e.V. (DAG), die Deutsche Diabetes Gesellschaft e.V. (DDG) und die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE) der Empfehlung der World Health Organization (WHO) aus dem Jahr 2015 an, und sprechen sich für eine maximale Zufuhr freier Zucker von weniger als 10 % der Gesamtenergiezufuhr aus. Freie Zucker umfassen Mono- und Disaccharide, die Hersteller oder Verbraucher Lebensmitteln zusetzen, sowie in Honig, Sirupen, Fruchtsaftkonzentraten und Fruchtsäften natürlich vorkommende Zucker. Im Konsensuspapier werden verschiedene verhältnis- und verhaltenspräventive Maßnahmen zur Reduktion der Zuckeraufnahme diskutiert (DOI: 10.4455/eu.2019.006).

Thomas Ellrott, Leiter der DGE Sektion Niedersachsen und des Instituts für Ernährungspsychologie an der Georg-August-Universität Göttingen
Weit über 280 Interessierte nahmen am Thementag „Region Hannover – ein guter Ort für genussvolles Essen teil.
Neben zwei Vorträgen – Dr. Anne Fleck von den Ernährungs-Docs und Ernährungspsychologe Dr. Thomas Ellrott – konnten sich die Besucher an Ernährungs-Themenecken intensiv informieren und mit den Experten austauschen.

Schwerpunktthema der DGE-Sektion Niedersachsen war der „Ernährungstrend – glutenfrei: Sinn oder Unsinn?“ Zahlreiche Fragen zur Diagnosestellung bis hin zur Umsetzung im Alltag prägten die Fachgespräche an diesem Informationstisch.

Diese Veranstaltung bildete den Auftakt zu einer Veranstaltungsreihe rund um das Thema Ernährung. In den kommenden Wochen, können Interessierte an weiteren Maßnahmen rund um das Thema Ernährung sich intensiv informieren. Die DGE in Niedersachsen bietet dabei in Kooperation mit der Patientenuniversität Hannover der MHH eine Veranstaltung zum Thema „Ernährung und Bewegung – Pflicht oder Kür“ am 21.5.2019 in den Räumen der MHH an

Ansprechpartnerinnen und Auskünfte:

Dörthe Hennemann 
E-Mail: hennemann@dge-niedersachsen.de

Nicole Eckelmann
E-Mail: eckelmann@dge-niedersachsen.de

Sonja Pöhls
E-Mail: poehls@dge-niedersachsen.de